Bengalische Chroniken

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Gaston Dayanand
 
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Gaston, erinnerst Du Dich noch?

Von woher Du kamst, von woher wir auch zurückkehrten, der Treffpunkt war immer das 'Chalet-Paradies', verborgen in den Kiefertannen auf 875 m Höhe, oberhalb eines Dorfes im Schweizer Jura, wo unsere Eltern glücklich lebten.

Ohne Zweifel werden Dir beim Lesen dieser Zeilen - im Lichte der vier Jahreszeiten - viele Erinnerungen an diese Zeit auftauchen, wohl nicht ohne eine gewisse Wehmut.

So zum Beispiel, wenn wir bei der Morgenröte von unseren Beobachtungen des Auerhahns, mit leichtem Schritt über einen Teppich von vereisten Krokusblumen zurückkamen.

Dann konntest Du sicher für eine Weile die Hölle in den Kohlengruben, oder die grosse Armut anderswo vergessen, die Du in vielen Städten in Nord- und Südeuropa miterlebt hast.

Im Verlauf der Jahre, immer noch begeistert, fandest Du trotzdem ein wenig Zeit um uns auf unseren Entdeckungsreisen in Europa oder in andern Ländern zu begleiten.

Du warst fasziniert, wie wir auch, von gewissen abgelegenen Gebieten, wo die Natur noch fast unberührt geblieben war.


Erinnerst Du Dich noch Gaston? An die Steinböcke in den Schweizer Alpen, oder an unsere Recherchen in gewissen Sumpfgebieten, wo die wilden Enten und die Stelzvögel über unsere Köpfe flogen, oder an diesen Purpurreiher, den wir in seinem Nest überraschten?

 

Wie oft hattest Du uns an den Lagerfeuern – an diesen unvergesslichen Abenden – von Deinem Ziel gesprochen, den Ärmsten auf dieser Welt zu helfen. Damals dachtest Du an das Afrika der grossen Seen, auch an Südamerika.

Später ändertest Du den Kurs für Indien, dieses schöne, fiebernde Land mit dem legendären Bengalen.

Anlässlich einer Expeditionsreise im Delta des Ganges 1968/69 waren unser Bruder Albert und ich fern von der Vermutung, diese faszinierende, jedoch gefährliche Gegend würde Teil Deines Lebens werden.

 

Erinnerst Du Dich, Gaston? Im Jahre 1975 in den Sundarbans, als Du ein allerletztes Mal mit uns auf eine Expeditionsreise gingst, in einem typischen bengalischen Fischerschiff, wo wir hofften, den prächtigen doch gefährlichen Tiger des Deltas zu beobachten.

Ich bin mir sicher, dass dein tiefes Verständnis für die Natur und Dein Wille sie zu schützen, unterstützt und ermutigt durch unsern Eltern dich dahin geleitet haben, ICOD auf Brachland aufzubauen.

Dieses Brachland wurde nach Monaten – dank allen Freunden, die Dich umgeben, zu einer Oase, die es erlaubt, dass Menschen, Blumen, Bäume und Tiere, Inder und Menschen aus andern Ländern zusammen wirken können.

Deine Bengalischen Chroniken, die nun auch auf Internet erscheinen, zeigen die harte Realität, wie auch die Nützlichkeit des Werkes, das Du aufgebaut hast.

Wie Du es in Deinen Büchern erwähnt hast, die Hoffnung findet man vielleicht nirgends besser als in 'Les Racines des Palétuviers' (in den Wurzeln der Mangrove).


Herzlichen Dank Gaston – Dein Bruder Gérard